Warenkorb der Inflation: Gewichtung und Kritik
Für die amtliche Inflation zählt Wohnen am stärksten. Auf Wohnung, Wasser und Energie entfallen rund 26 % des Warenkorbs, auf Lebensmittel und alkoholfreie Getränke rund 12 %. Die Grafik zeigt, wie sich diese Anteile gegenüber dem früheren Schema geändert haben.
Was zählt im Inflationswarenkorb wie stark?
Wägungsschemata 2015 und 2020 · Anteile der zwölf Hauptgruppen in Prozent.
Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke
Alkoholische Getränke und Tabakwaren
Bekleidung und Schuhe
Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe
Möbel, Leuchten, Geräte und anderes Haushaltszubehör
Gesundheit
Verkehr
Post und Telekommunikation
Freizeit, Unterhaltung und Kultur
Bildungswesen
Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen
Andere Waren und Dienstleistungen
Quelle: Destatis und Bundesregierung, Wägungsschemata 2015 und 2020.
Für den deutschen VPI gilt 2025 und 2026 weiterhin das Wägungsschema 2020. Die Anteile beschreiben Gewichte, keine Preissteigerungen. Beide Schemata ergeben 100 Prozent.
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Der Anteil von Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken stieg von 9,685 auf 11,904 Prozent. Die Hauptgruppe Wohnen einschließlich Wasser und Energie sank von 32,470 auf 25,925 Prozent. Diese Veränderungen sind in der Gegenüberstellung sichtbar; sie sagen für sich genommen noch nichts über den Preisanstieg einer Gruppe.
Zur Ableitung der neuen Gewichte wurden wegen der Besonderheiten des Pandemiejahres auf Güterebene Durchschnittswerte der Jahre 2019 bis 2021 verwendet. Die Bezeichnung „Schema 2020“ bedeutet daher nicht, dass jede Gewichtung allein aus einem einzelnen Lockdownmonat stammt. Auch methodische und statistische Grundlagen wurden bei der Revision überarbeitet.
Was zum Inflationswarenkorb gehört
Zum Verbraucherpreisindex gehören Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte für Konsumzwecke kaufen. Dazu zählen etwa Lebensmittel, Wohnleistungen, Energie, Verkehr, Gesundheit und Freizeit. Der statistische Warenkorb ist keine einzelne Einkaufsliste, sondern soll diese vielfältigen Ausgaben repräsentieren.
Du kaufst wahrscheinlich nicht jeden Monat alles, was im Warenkorb steht. Auch ein seltener Kauf kann ins Gewicht fallen, wenn private Haushalte insgesamt viel dafür ausgeben. Für die Rechnung zählt der Anteil an den Ausgaben.
Wie die zwölf Hauptgruppen gewichtet sind
Die folgende Tabelle zeigt die Anteile des VPI-Wägungsschemas 2020. Alle zwölf Hauptgruppen zusammen ergeben 100 Prozent. Die Werte sind Ausgabenanteile und keine Preissteigerungsraten. Ein Lebensmittelgewicht von 11,904 Prozent bedeutet also nicht, dass Lebensmittel um 11,904 Prozent teurer geworden wären.
Für den Einfluss einer Gruppe kommen Gewicht und Preisentwicklung zusammen. In einem vereinfachten Beispiel hat eine Gruppe 20 Prozent Ausgangsgewicht und verteuert sich um 10 Prozent, während alles andere gleich bleibt. Dann erhöht sich der Gesamtwarenkorb um 2 Prozent. Ein großer prozentualer Einzelanstieg muss daher nicht der größte Beitrag zur Gesamtteuerung sein.
| Hauptgruppe | Anteil |
|---|---|
| Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke | 11,904 % |
| Alkoholische Getränke und Tabakwaren | 3,526 % |
| Bekleidung und Schuhe | 4,225 % |
| Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe | 25,925 % |
| Möbel, Leuchten, Geräte und anderes Haushaltszubehör | 6,778 % |
| Gesundheit | 5,549 % |
| Verkehr | 13,822 % |
| Post und Telekommunikation | 2,335 % |
| Freizeit, Unterhaltung und Kultur | 10,423 % |
| Bildungswesen | 0,906 % |
| Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen | 4,720 % |
| Andere Waren und Dienstleistungen | 9,887 % |
Wurde der Warenkorb 2025 neu gewichtet?
Beim nationalen VPI gilt 2025 und 2026 weiterhin das Schema 2020. Der Erhebungskatalog 2025 ist damit nicht gleichzusetzen. Er betrifft die Auswahl und Abgrenzung der zu erhebenden Güter. Ein anderes Basisjahr, neue Ausgabenanteile und ein geänderter Erhebungskatalog sind drei unterschiedliche Dinge.
Die nächste Umstellung des VPI auf das Basisjahr 2025 ist voraussichtlich für 2028 vorgesehen. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex für Deutschland hat dagegen jährlich aktualisierte Gewichte und eine andere Abgrenzung. Seine 2025er Gewichte dürfen nicht als neue Gewichte des nationalen VPI dargestellt werden.
Wie andere Gewichte die Inflationsrate verändern können
Mit anderen Gewichten kann die errechnete Inflation steigen oder fallen. Das hängt davon ab, welche Gruppen mehr Gewicht bekommen und wie sich gerade deren Preise entwickeln.
Die Modellgrafik verwendet dieselben zwölf amtlichen Teilindizes und wechselt nur die Hauptgewichte. Für 2024 bis 2025 entstehen aus 1.000 Euro rechnerisch 1.020,26 Euro mit den alten oder 1.021,55 Euro mit den neuen Gewichten. Hier liegen die neuen Modellwerte also um 1,29 Euro höher. Die Rechnung ersetzt keine historische amtliche Altreihe und beobachtet keine Änderung an der Ladenkasse.
Wie viel Unterschied machen andere Warenkorbgewichte?
Modell für 2024–2025 · Rechnerischer Aufschlag auf 1.000 Euro.
Rechnerischer Aufschlag für 2025, in Euro
+1,29 € mit den Gewichten 2020
Gleiche zwölf Destatis-Teilindizes, andere Hauptgruppen-Gewichte.
Quelle: Destatis, zwölf Hauptgruppen; eigene Modellrechnung für 2024–2025.
Identische Gruppenindizes, nur die Gewichte wechseln. Kein amtlicher alter VPI und keine persönliche Inflationsrate.
inflations-rechner.com
Warum aus 7,9 Prozent für 2022 später 6,9 Prozent wurden
Mit der Revision 2023 wurde die veröffentlichte Jahresrate für 2022 von 7,9 auf 6,9 Prozent geändert. Das war die Wirkung der gesamten Revision. Neben Ausgabenanteilen wurden weitere Berechnungsgrundlagen überarbeitet. Den gesamten Unterschied allein den zwölf gezeigten Hauptgewichten zuzuschreiben wäre deshalb falsch.
Ein Indexbeispiel mit 1.000 Euro Ausgangsbetrag ergibt bei 7,9 Prozent 1.079 Euro, bei 6,9 Prozent 1.069 Euro. Die Differenz von 10 Euro beschreibt den statistischen Vergleich. Sie bedeutet weder eine nachträgliche Erstattung noch eine reale Preissenkung. Methodische Wirkung und eine behauptete Absicht zur Manipulation sind getrennte Fragen; die Absicht ist durch diesen Befund allein nicht belegt.
Ersatzartikel, andere Marken und veränderte Käufe
Ein Haushalt kann auf günstigere Marken ausweichen oder weniger von einem teuren Produkt kaufen. Die Ausgaben können dann weniger steigen als die Kosten des unveränderten früheren Einkaufs. Das ist eine Anpassung des Konsums und noch keine Senkung des ursprünglichen Produktpreises.
Davon zu unterscheiden ist ein Ersatzartikel in der Preisstatistik, wenn ein beobachtetes Produkt nicht mehr erhältlich ist. Dann sind Menge und Qualität zu vergleichen. Die Ausgabenanteile des nationalen VPI werden nicht jeden Monat auf den jeweils billigsten Einkauf umgestellt. Für eine eigene Rechnung sind deshalb feste Mengen und Leistungen sinnvoll.
Qualitätsbereinigung und Schrumpfflation
Bleibt der Preis einer Packung bei 2 Euro, aber ihr Inhalt sinkt von 250 auf 200 Gramm, steigt der Kilopreis von 8 auf 10 Euro. Dieselbe Menge kostet damit 25 Prozent mehr. Mengenänderungen gehören in den Preisvergleich, auch wenn auf dem Preisschild derselbe Betrag steht.
Bei anderen Eigenschaften ist die Trennung schwieriger. Ein teureres Nachfolgemodell kann zusätzliche Funktionen haben. Qualitätsbereinigung versucht, den Wert dieser Unterschiede von der reinen Preisänderung abzugrenzen. Für einen Käufer kann die volle neue Ausgabe trotzdem belastend sein, besonders wenn die zusätzliche Ausstattung nicht benötigt wird. Ein statistischer Qualitätsvergleich und eine persönliche Kassenrechnung haben unterschiedliche Aufgaben.
Welche Wohnkosten ein Durchschnitt erfasst
Ein Mietpreisindex fasst verschiedene Mietverhältnisse zusammen. Er ist nicht bloß ein Index der gerade neu angebotenen Wohnungen. Wer umzieht und eine hohe Neuvertragsmiete bezahlt, kann daher eine andere Entwicklung erleben als ein Haushalt mit lange unverändertem Vertrag.
Für den Kaufpreis eines Hauses gelten eigene Reihen. Die deutschen Hauspreisgrafiken zeigen diese Entwicklung getrennt von den laufenden Ausgaben. Für deine persönliche Teuerung kommt es darauf an, was du fürs Wohnen und für die übrigen Posten tatsächlich bezahlst.
Was sich aus berechtigter Kritik für die eigene Rechnung ergibt
Ein Durchschnittswarenkorb kann nicht alle Lebenslagen gleichermaßen abbilden. Wer einen hohen Anteil für Lebensmittel, Miete oder Heizung benötigt, sollte deren Entwicklung im eigenen Budget gesondert betrachten. Daraus folgt aber noch keine einzige alternative Rate, die für alle Haushalte die „wahre Inflation“ wäre.
Im persönlichen Inflationsrechner werden dieselben Mengen und Leistungen zu zwei Zeitpunkten bewertet. Das Ergebnis gilt für die erfassten Ausgaben. Die allgemeine Indexrechnung und der Unterschied zwischen Index und Rate stehen beim Verbraucherpreisindex. Für den Vergleich mit Einkommen ist anschließend der Gehalts- und Kaufkraftrechner passend.
Quellen zum Beitrag
- Destatis: Verbraucherpreisindex, Abgrenzung und Berechnung
- Antwort der Bundesregierung: VPI-Methodik und Wägungsschema, Drucksache 21/7461
- Antwort der Bundesregierung: VPI-Revision und Wägung, Drucksache 20/6263
- Destatis: Erhebungskatalog 2025 und geplantes VPI-Basisjahr 2025
- Destatis: Gesamtindex und zwölf VPI-Abteilungen
- Destatis: Revision 2023 und geänderte Inflationsraten für 2022
- Destatis: Qualitäts- und Mengenbereinigung in der Preisstatistik