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Wie Inflation und Zinsen zusammenhängen

Wenn die Preise schneller steigen, kann die EZB mit höheren Zinsen gegensteuern. Der Vergleich im Euroraum zeigt den zeitlichen Abstand. 2022 erreichte die Inflation im Jahresmittel 8,4 Prozent. Der durchschnittliche Einlagenzins der EZB stieg vor allem 2023.

Wann zog der EZB-Zins nach?

Euroraum · Jahreswerte 2020–2025 · Harmonisierte Inflationsrate und EZB-Einlagenzins in Prozent.

Inflation im Euroraum+2,10 %2025EZB-Einlagenzins im Jahresmittel+2,26 %2025
Wann zog der EZB-Zins nach?Euroraum · Jahreswerte 2020–2025. Harmonisierte Inflationsrate und EZB-Einlagenzins in Prozent.-20246810202020212022202320242025

Quellen: Eurostat (HVPI) und EZB (Einlagenzins).

Für den Einlagenzins zählen alle Kalendertage mit dem jeweils gültigen EZB-Satz. Die Grafik zeigt den zeitlichen Verlauf zweier Größen. Den Einfluss eines einzelnen Zinsschritts kann sie nicht isolieren.

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Der Einlagenzins gilt für Banken, die Geld bei der Zentralbank parken. Was dir ein Sparzins nach der Teuerung bringt, zeigt die Rechnung zum Realzins.

Die EZB legt die Leitzinsen fest. Das beeinflusst, zu welchen Bedingungen Banken Geld aufnehmen oder anlegen. Welche Zinsen sie für einen bestimmten Kredit oder ein Sparkonto anbieten, entscheiden die Banken.

Bei teureren Krediten können Anschaffungen oder Investitionen verschoben werden. Höhere Einlagenzinsen können einen Anreiz bieten, Geld zunächst zu sparen. Beides kann die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen dämpfen. Sinkende Zinsen können in die andere Richtung wirken. Wie stark die Übertragung ist, hängt von der wirtschaftlichen Situation und den jeweiligen Verträgen ab.

Warum höhere Zinsen Inflation bremsen können

Wenn Kunden weniger kaufen, fällt es Unternehmen schwerer, höhere Preise durchzusetzen. Teurere Kredite können auch geplante Investitionen bremsen. Ändern sich die Erwartungen für die nächsten Monate, wirkt sich das zusätzlich auf die Preis- und Finanzierungsentscheidungen aus.

Die Wirkung tritt nicht unmittelbar nach dem Zinsbeschluss ein. Alte Verträge laufen weiter, geplante Investitionen werden unterschiedlich schnell angepasst und manche Ausgaben sind kaum verschiebbar. Eine Zinserhöhung bedeutet daher nicht, dass die nächste Monatsrate automatisch niedriger sein muss oder dass die Preise selbst sofort sinken.

Was Zinsen bei teurer Energie nicht leisten

Ein Zinsschritt erzeugt keine zusätzliche Energie und macht eine ausgefallene Ernte nicht wieder verfügbar. Ein Angebotsschock kann Herstellung verteuern und zugleich die Produktion schwächen. In dieser Lage kann eine zusätzliche Nachfragedämpfung die reale Wirtschaft belasten, während sie gegen den weiteren Preisdruck wirkt.

Dieses Spannungsverhältnis ist ein Grund, weshalb Ursachen und Dauer einer Teuerungsphase wichtig sind. Eine kurzfristige Preisbewegung und eine anhaltende breite Inflation verlangen eine andere Einordnung. Bei Stagflation treffen schwache wirtschaftliche Aktivität und Inflation besonders ungünstig zusammen.

Warum Spar- und Kreditzinsen nicht eins zu eins folgen

Banken berücksichtigen neben den geldpolitischen Bedingungen unter anderem Laufzeit, Refinanzierung, Wettbewerb und Kreditrisiko. Für einzelne Produkte können sie ihre Konditionen deshalb unterschiedlich schnell und unterschiedlich stark ändern. Der Zusammenhang mit dem Leitzins ist keine starre Gleichung.

Bei einem bestehenden Festzinskredit verändert ein neuer Zinsbeschluss den vereinbarten Sollzins nicht automatisch. Eine neue Finanzierung oder spätere Anschlussvereinbarung kann dagegen zu anderen Konditionen abgeschlossen werden. Auch bei Einlagen ist entscheidend, ob ein Zins fest vereinbart oder veränderlich ist. Ein Vergleich braucht daher die konkreten Bedingungen und denselben Zeitraum.

Nominalzins und Realzins getrennt berechnen

Der Nominalzins beschreibt die Veränderung des Geldbetrags. Der Realzins berücksichtigt zusätzlich das veränderte Preisniveau. Für die genaue Einjahresrechnung gilt: (1 + Nominalzins) / (1 + Inflation) − 1. Beide Raten werden dabei als Dezimalzahlen eingesetzt.

Bei angenommenen 3 Prozent Zins und 2 Prozent Inflation ergibt 1,03 / 1,02 − 1 rund 0,98 Prozent. Die oft verwendete Differenz 3 minus 2 ist eine Näherung von 1 Prozent. Der Unterschied ist bei kleinen Raten überschaubar, kann bei größeren Raten aber wichtiger werden. Der Realzinsrechner verwendet die Faktorenrechnung.

Wann Zinsen die Geldentwertung ausgleichen

Angenommen, 10.000 Euro werden ein Jahr lang mit 2 Prozent verzinst. Der Kontostand steigt auf 10.200 Euro. Bei einer Inflation von 4 Prozent entsprechen diese am Jahresende aber nur 9.807,69 Euro zu Anfangspreisen. Der reale Verlust beträgt etwa 1,92 Prozent.

Der umgekehrte Fall zeigt, warum auch die Preise selbst zählen: Ohne Verzinsung und bei einem angenommenen Preisrückgang um 2 Prozent gewinnen unveränderte 10.000 Euro rund 2,04 Prozent Kaufkraft. Die Beispiele sind Rechenannahmen vor Steuern und Gebühren. Sie beschreiben keine aktuellen Bankangebote und keine Inflationsprognose.

Angenommene jährliche Raten; exakte reale Änderung aus dem Verhältnis der Faktoren.
NominalzinsPreisänderungReale Änderung
3 %2 %+0,98 %
2 %4 %−1,92 %
0 %−2 %+2,04 %

Wie die reale Verzinsung über mehrere Jahre gerechnet wird

Bleiben angenommene Zinsen und Inflation mehrere Jahre gleich, wirken beide jedes Jahr auf den inzwischen veränderten Betrag. Bei 10.000 Euro, jährlich 3 Prozent Zins und 2 Prozent Inflation über fünf Jahre entstehen nominal 11.592,74 Euro. Auf das Preisniveau am Anfang zurückgerechnet sind es 11.592,74 / 1,02⁵ = rund 10.499,90 Euro. Die Kaufkraft wächst insgesamt also um rund 5 Prozent.

Die Rechnung setzt voraus, dass Zinsen im Guthaben bleiben und mitverzinst werden. Werden sie ausgezahlt oder ändern sich die Raten, muss die Rechnung entsprechend angepasst werden. Bei wechselnden Jahresraten werden die einzelnen Zinsfaktoren und Preisfaktoren multipliziert. Ein einfacher Durchschnitt der Prozentzahlen liefert im Allgemeinen nicht dasselbe Ergebnis.

Erwartete Inflation ist keine bereits gemessene Inflation

Den Zinssatz für deine Laufzeit kannst du heute schon kennen. Wie stark die Preise in dieser Zeit steigen werden, zeigt sich erst später. Bis dahin beruht der Realzins auf deiner Annahme zur Preisentwicklung.

Die zuletzt gemeldete Inflationsrate in Deutschland darf dafür nicht einfach über viele Jahre fortgeschrieben werden, als sei sie garantiert. Historische Jahresdurchschnitte, Monatsraten und Zukunftsannahmen sind verschiedene Eingaben. Bei einem längeren Rückblick müssen die Zins- und Preisfaktoren des gesamten passenden Zeitraums berücksichtigt werden.

Zinsen und persönliche Lebenshaltungskosten

Ein steigender Zins kann einen Haushalt bei einer neuen Finanzierung stark belasten, auch wenn die allgemeine Inflation sinkt. Das ist kein Widerspruch. Ein Kreditpreis, laufende Konsumausgaben und der gesamtwirtschaftliche Verbraucherpreisindex sind unterschiedliche Größen.

Für eine Budgetrechnung zählen tatsächlich anfallende Zahlungen. Für eine reine Preisvergleichsrechnung muss zusätzlich klar sein, ob dieselbe Leistung und derselbe Finanzierungsumfang betrachtet werden. Eine Tilgung ist etwa keine Preissteigerung eines Konsumguts. Im persönlichen Warenkorb sollten solche Unterschiede deshalb nicht als neue allgemeine Inflationsrate vermischt werden.

Warum weniger Inflation nicht automatisch niedrigere Zinsen bedeutet

Geldpolitische Entscheidungen beziehen sich auf die erwartete weitere Entwicklung und viele wirtschaftliche Daten. Ein einzelner niedrigerer Inflationswert ist nur ein Teil dieser Informationen. Außerdem können sich Markt- und Bankzinsen bereits vor einem Beschluss verändern, wenn Erwartungen angepasst werden.

Sinkt eine weiterhin positive Inflationsrate, steigen die Preise noch immer. Das wird als Disinflation bezeichnet. Erst bei einem allgemeinen anhaltenden Preisrückgang geht es um Deflation. Für eine Kaufkraftfrage sollte deshalb zuerst der passende Preisverlauf feststehen, danach der dazugehörige Zins und die konkrete Laufzeit.

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